Ausbildungsberufe

Es gibt nicht nur den Fernsehkoch oder Tierpfleger

Auf der Suche nach dem Traumjob sollten Bewerber über den Tellerrand schauen

Viele Jugendliche interessieren sich nur für wenige Trendberufe. In Zeiten von Tim Mälzer, Johann Lafer und Co. steht der Fernsehkoch ganz oben auf der Hitliste der Wunschberufe. Wie der harte Arbeitsalltag eines Kochs in der Realität aussieht, wissen allerdings die Wenigsten. Seit durch Zooserien im Fernsehen die Tierpfleger groß rauskommen, ist auch dieser Beruf immer beliebter geworden. Dieser hat im Arbeitsalltag allerdings weniger das Mikrophon, sondern eher die Mistgabel in der Hand. In der Realität zeigt sich nicht selten, dass der Traumberuf nicht den Wunschvorstellungen entspricht. Nicht nur ein falsches Berufsbild ist fatal bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Je größer der Bewerber-Ansturm ist, desto mehr verringern sich die Chancen, eine der begehrten Stellen zu ergattern. Es lohnt sich, bei der Berufswahl über den Tellerrand hinaus zu schauen. Rund 500 Ausbildungsberufe hat die Bundesagentur für Arbeit in der Broschüre „Beruf aktuell 2010/11 - Lexikon der Ausbildungsberufe“ aufgelistet. Das Heft enthält Kurzbeschreibungen der verschiedensten Berufe vom Altenpfleger bis zum Zytologieassistent. Wer kennt schon die Fachkraft für Fruchtsafttechnik oder den Handzuginstrumentenmacher?

Anerkannte Ausbildungsberufe (Lehrberufe) können in einem Betrieb oder in einer Verwaltung erlernt werden, manche auch in einer Berufsfachschule oder einer anderen berufsbildenden Einrichtung. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Berufen, die im Rahmen einer schulischen Berufsausbildung an Vollzeitschulen (z. B. Berufsfachschulen) unterrichtet werden. Auch wer sich für den Job als Sänger, Schauspieler oder Atem-, Sprech- und Stimmlehrer interessiert, findet hier Beschreibungen zu inhaltlichen Schwerpunkten, den Zugangsvoraussetzungen, Gehaltsangaben in der Lehrzeit und zur Ausbildungsdauer. Eine spannende Lektüre, die zeigt, dass ein interessanter Job auch jenseits von Fernsehkoch und Tierpfleger zu finden ist. Unter den jeweiligen Kurzbeschreibungen finden sich Querverweise zu ähnlichen Berufsfeldern. Wenn Jungen also keine Ausbildung im Traumjob Kfz-Mechatroniker machen können, gibt es Hilfestellung bei der Suche nach Alternativen. Wer sich umfassend informiert, wird feststellen, dass es mehrere Berufe gibt, die passen. Flexibilität erhöht die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Die Berufswahl sollte nicht dem Zufall überlassen werden, sondern frühzeitig geplant und vorbereitet sein. „Stellen Sie zunächst fest, was Sie interessiert, was Sie können und was Sie wollen. Eine ehrliche und realistische Selbsteinschätzung ist die wichtigste Voraussetzung bei der Entscheidung für einen Beruf. Wo liegen Ihre persönlichen Neigungen und Fähigkeiten? Wo engagieren Sie sich bereits? Für welche Aktivitäten nutzen Sie Ihre Zeit?“, empfiehlt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Der Beruf sollte den Neigungen und Interessen entsprechen. Ein Praktikum ist eine gute Möglichkeit, in den Arbeitsalltag hinzuschnuppern und zu testen, ob der vorgesehene Beruf wirklich der richtige ist.

Das duale Studium

Neben der klassischen Lehre und dem Studium gewinnt das duale Studium als Kombination von Ausbildung und Bachelor immer größere Bedeutung auf dem Ausbildungsmarkt. Die Studiengänge boomen, und der Trend wird anhalten, prognostiziert Andreas Pieper vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Ihre Zahl lag im April 2010 bei 776, das seien 12, 5 Prozent mehr als im Vorjahr, hat das BIBB ermittelt. Es gebe inzwischen sogar Modelle, in denen sich drei Abschlüsse parallel erwerben lassen: „Da macht man in fünf Jahren einen Bachelor, eine Ausbildung und einen Meister“, erklärte Pieper im Februar 2011 auf der Bildungsmesse Didacta. „Das ist aber wirklich nichts für jedermann.“

Im dualen Studium werden Studierende zweigleisig ausgebildet: einerseits an einer Berufsakademie oder Hochschule und andererseits in einem Unternehmen. Im Gegensatz zum klassischen Studium ist die Ausbildung wesentlich praxisnäher, zugleich aber auch wissenschaftlicher als eine rein betriebliche Ausbildung. Andreas Standop, Leiter der Wolfsburger Agentur für Arbeit, erklärt: „Das duale Studium entwickelt sich zu einem bewährten Instrument zur Förderung von Nachwuchskräften in Führungspositionen. Es ist eine sehr interessante Alternative für Schüler mit Hochschul- oder Fachhochschulreife gegenüber dem klassischen Studium geworden. Ein Grund dafür ist selbstverständlich, dass die Studierenden bei ihrem Arbeitgeber angestellt sind und von Beginn an eine Ausbildungsvergütung erhalten.“

Für die Studierenden bedeutet es einen Zeitgewinn, wenn sie nicht zunächst eine Ausbildung machen und erst danach ein Studium anschließen. In der Regel können sie davon ausgehen, nach Abschluss des Studiums einen Arbeitsplatz zu haben, der ihnen Aufstiegschancen bietet. Eine solche Ausbildung im Doppelpack sei auch seitens der Betriebe gern gesehen, erklärte Pieper: „Viele Betriebe kritisieren ja, dass reine Akademiker zu wenig Praxisbezug haben. Das ist also eine klassische Win-win-Situation.“ Ein Nachteil sei allerdings, dass Absolventen in dualen Studiengängen manchmal zunächst an ein Unternehmen gebunden sind. Einige Betriebe verlangen als Gegenleistung für ihre Kooperation beispielsweise, dass die Absolventen ein Jahr lang bei ihnen arbeiten. Pieper stellte allerdings auch heraus, dass nicht jeder dem Stress der Doppelbelastung eines dualen Studiums gewachsen sei.