Dresscode

Bitte nicht mit Flip-Flops

Lange Hose für den Herrn, geschlossener Schuh, selbstverständlich mit Socken, Hemd mit Kragen. Je nach Beruf gilt auch schon einmal ein Polohemd als korrekte Kleidung. In anderen Branchen bleibt es auch bei sommerlichen Temperaturen beim Langarmhemd unter dem Sakko. Das gibt Benimmexpertin Elisabeth Bonneau in einem Interview mit Spiegel Online Studenten mit auf den Weg, die in einen Beruf einsteigen. Für die weiblichen Berufseinsteiger gelte Entsprechendes: keine bloßen Schultern, keine nackten Füße, Schluss mit kurzen Röcken oder Hosen, Flip-Flops und ausgeschnittenen Tops. Wer in einem seriösen Beruf anfange, habe sich dem Dresscode anzupassen.

Was für Job-Anfänger gilt, trifft erst recht auf Menschen zu, die im Beruf stehen und die Karriereleiter erklimmen möchten. Es gibt einen beruflichen Dresscode, an den sich jeder halten sollte. Die Kreativ-Szene gibt sich gerne individueller, der Handwerker hat seine Arbeitskleidung, im lockeren In-Shop für Sportbekleidung tragen auch die Verkäufer Jeans und Turnschuhe, in Branchen wie Bank, Unternehmensberatung oder Versicherung gilt allerdings die klassisch-konservative Kleiderordnung. Ganz so streng wie früher sind die Vorschriften heute sicherlich nicht mehr. Die Knigge-Regeln der alten Schule gelten vor allem in konservativen Unternehmen wie Banken und Versicherungen, erklärt auch Karin F. Hallinger, Knigge-Trainerin aus Landsberg am Lech.

„Wenn ich beim Chef positiv auffallen will, muss ich einen Schritt besser aussehen als die Kollegen – aber einen Schritt weniger gut als der Chef“, gibt Image-Experte Andreas Weinzierl aus Oldenburg mit auf den Weg. Wer die ungeschriebenen Regeln lernt, macht es sich im Job leichter. Die richtige Business-Kleidung hilft Karriere zu machen. Wer seine Kompetenz signalisieren möchte, macht es sich im pastellfarbenen Rüschenkleid unnötig schwer. Es sind zwar nur Äußerlichkeiten, die allerdings eine große Wirkung entfalten. Korrekte Kleidung ist auch ein Zeichen des Respekts: Ich nehme meine Gesprächspartner und Kollegen ernst, signalisiert das Business-Outfit. Generell gehe es bei Stilfragen immer darum, rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen umzugehen, meint Stilberater Uwe Fenner. Kurze Hosen würden sich daher verbieten: „Shorts sind eine ästhetische Zumutung für Kunden und andere Kollegen“, sagt Fenner.

Extravaganzen sollten sich Mitarbeiter erst ab einer gewissen Position erlauben. Alle anderen sollten sich zurückhalten, empfiehlt ein Personalmanager der Unternehmensberatung Kienbaum: „Je jünger die Karriere, desto strikter sollte man sich an den Dresscode der Branche halten. Führungskräfte dürfen ihren individuellen Stil betonen und sich modische Freiheiten erlauben, das unterstreicht sogar ihre Autorität.“

Und wie vermeidet man nun bei sommerlicher Hitze einen Fauxpas im Beruf? Frauen haben ein wenig mehr Spielraum bei der stilsicheren Kleidung. Ein luftiges Kleid anziehen, leichte Stoffe und weite Schnitte wählen. Nackte Haut an den Beinen zu zeigen gelte in modernen Firmen nicht mehr als Fauxpas. Der Rocksaum sollte allerdings nicht zu hoch rutschen, ebenso wie der Ausschnitt nicht zu tief.

Statt ein kurzärmliges Hemd zu wählen, können Männer die Ärmel des Langärmligen aufkrempeln. In lockerer Umgebung gilt auch das Poloshirt als passendes Outfit. Die kurze Hose aber bleibt ein Tabu. Mit leichteren Hosen- und Hemdstoffen, einem offenen Hemdknopf mehr lassen sich auch heiße Temperaturen korrekt bekleidet überstehen.

Auch die Deutsche Knigge-Gesellschaft gibt sich lockerer, was im Sommer als Business-Kleidung erlaubt ist. Männer können Jackett und Krawatte an den Nagel hängen, wenn es warm ist, meint der Vorstand der Stilexperten. Frauen dürfen an heißen Tagen im leichten Sommerkleid auf Nylonstrümpfe verzichten. Voraussetzung seien allerdings topgepflegte Beine und Füße. „Zum Kostüm und in den Vorstandsetagen ist es aber weiterhin unpassend, keine Strümpfe zu tragen“, betont die Deutsche Knigge-Gesellschaft.

Die Lockerung der Büro-Kleiderordnung sei allerdings nur eine Empfehlung, die Chefs müssten dem zustimmen. „Und sobald Mitarbeiter, wie beispielsweise in einer Bank, im Kundenkontakt sind, muss das Jackett wieder angezogen werden“, sagt der Vorsitzende der Knigge-Gesellschaft, Michael Klein.

Eines aber hat sich nicht geändert: Die Tennissocke heißt so, weil sie auf den Tennisplatz gehört und auf keinen Fall ins Büro.