Direktbanken führen zum Stellenabbau in der Bankenbranche

Die Digitalisierung im Bankenumfeld verschafft Vorteile – aber wie nachhaltig ist das Direktbankenmodell?

Überweisungen, Kreditanträge und Kontostand prüfen – das alles geht heute online. Viele Banken bieten bereits den vollkommen digitalen Kredit an. Dabei wird die Bearbeitung des Kreditantrags vollständig über das Internet abgewickelt. Das Sofa muss man nicht mehr verlassen. Für Bankkunden, die wochentags für Bankgeschäfte keine Zeit haben, ist die Direktbank zweifellos eine vorteilhafte Alternative.

Doch sind das tatsächlich nur Vorteile, die eine Direktbank mitbringt? Die Digitalisierung wird oft als Jobkiller bezeichnet. Denn wo Computer zum Einsatz kommen, werden Mitarbeiter gekündigt. Muss man also im Bankensektor den großen Stellenabbau befürchten?

Wer braucht noch Bankfilialen? – auch bei Direktbanken machen Menschen die Arbeit

Anfang der 1990er Jahre gab es in Deutschland um die 4000 Bankfilialen, im Jahr 2017 waren es dann etwas weniger als die Hälfte. Die zunehmende Verlagerung der Bankgeschäfte weg von den Bankfilialen hin zur Onlinebank hinterlässt ohne Zweifel ihre Spuren. Dennoch gibt es auch Wachstum in der Bankbranche. Das fällt einem, mangels der üblichen, regionalen Bankfilialen-Abdeckung, jedoch nicht so sehr auf – ganz im Gegensatz zu deren Schließungen.

Wenn man online sein Bankkonto abfragt oder einen Autokredit beantragt, dann muss auf der anderen Seite ein funktionierendes System vorhanden sein. Dass sämtliche Anfragen und Anweisungen der Bankkunden vollständig automatisiert von Computern bearbeitet werden, ist allerdings ein Trugschluss. Denn ohne kompetente Mitarbeiter, ist auch der Betrieb einer Direktbank eine reine Fiktion.

Ob man nun einen Kreditantrag in einer Bankfiliale oder direkt online stellt, die Kreditprüfung wird noch immer von Menschen vorgenommen. Und auch Computersysteme laufen nicht von alleine. Sie müssen eingerichtet, gewartet, betreut und kontrolliert werden. Man darf nicht vergessen, dass Bankgeschäfte besonders sensible Geschäfte sind. Nur wenn der Kunde absolutes Vertrauen in eine Bank hat, ist ein erfolgreicher Betrieb möglich.

Kreditprüfung und Sicherheitssysteme – alte Berufsbilder verschwinden, neue entstehen

Künstliche Intelligenz hat nur begrenzt die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu analysieren und diese zu bewerten. Dazu braucht es nach wie vor den gut ausgebildeten Sachbearbeiter. Allerdings wird bei den Onlinebanken auch das IT-Personal immer wichtiger. Mitarbeiter am Schalter hingegen werden künftig weniger benötigt. Die Folge der Digitalisierung ist jedoch nur eine Veränderung: alte Berufsbilder verschwinden und neue entstehen.

Damit wird klar, dass auch für den Bankenbereich dasselbe gilt, wie für jede andere Branche. Der Arbeitsmarkt von morgen verlangt nach qualifizierten IT-Fachkräften. Deutlich wird das bei manchen Direktbanken. Sie sind keine typischen Banken mehr, sondern IT-Unternehmen mit Banklizenz. Dass heute IT-Unternehmen mit traditionellen Bankhäusern in Wettbewerb treten verdeutlicht, welche Berufe im Bankwesen wichtig sind.

Umschulen und berufliche Chancen im digitalen Banking zu sichern – noch nie war es einfacher

Die Digitalisierung kommt und sie ist in vielen Branchen bereits präsent. Auch IT-Unternehmen spüren den Fortschritt. Ihnen fehlt es schlicht und einfach an Fachkräften. Wer arbeitslos ist, von Arbeitslosigkeit bedroht wird oder einfach in einem neuen Beruf durchstarten möchte, profitiert von einer Umschulung zum IT-Experten. Wem dazu das Geld fehlt, der bekommt Unterstützung vom Staat, zum Beispiel mit dem Bildungsgutschein. Wer seine Chancen auf Unterstützung prüfen möchte, kann sich von den Mitarbeitern der Jobcenter beraten lassen. So gesehen ist der Stellenabbau mit dem Einzug von Direktbanken relativ zu betrachten – es ergeben sich hieraus auch Vorteile für den neuen Arbeitsmarkt und den Mitarbeiter 2.0-4.0. 

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