Ist es legal, einen Ghostwriter für eine Arbeit zu engagieren?

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Was macht ein Ghostwriter?

Ein Ghostwriter wird von einem Klienten beauftragt, einen Text zu entwerfen. Dabei informiert der Auftraggeber den Ghostwriter über das Thema, formale Anforderungen und gegebenenfalls über inhaltliche Schwerpunkte. Auf dieser Grundlage schreibt der Ghostwriter einen Textentwurf und übermittelt diesen dem Kunden. Als Gegenleistung erhält der Ghostwriter ein Honorar vom Kunden. Ausdrücklich verzichtet der Ghostwriter darauf, den Textentwurf oder Teile daraus selbst zu veröffentlichen bzw. an Dritte weiterzugeben. 

Sämtliche Textformen 

Grundsätzlich kann es sich dabei um alle Textformen handeln, beispielsweise um Internet-Texte, Biographien oder Redemanuskripte. Meist wird der Begriff aber im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Texten verwendet: bei Seminararbeiten, Bachelor-Arbeiten oder Dissertationen. Der Auftrag kann das Abfassen eines kompletten Textentwurfs umfassen oder sich auf einzelne Kapitel oder Arbeitsschritte (z.B. Literatur-Recherche) beschränken. Denkbar ist auch, dass der Ghostwriter das Lektorat übernimmt, also den selbständig geschriebenen Text auf sprachliche oder inhaltliche Richtigkeit überprüft.

Legalität bei wissenschaftlichen Arbeiten

Im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten meinen viele, es sei illegal, Ghostwriter zu beauftragen. Viele Hochschulen verlangen eine eidesstattliche Erklärung, dass der von Studierenden eingereichte Text ohne Hilfe Dritte geschrieben wurde. Wer die Vorlage eines Ghostwriters weitgehend übernimmt und diese Erklärung unterzeichnet, muss mit einer Aberkennung des akademischen Titels rechnen, wenn die Auftragsvergabe auffällt. Aus diesem Grund weisen Ghostwriter ihre Kunden in der Regel vorab darauf hin, dass ihre Texte nur der Orientierung dienen und nicht ohne eigenständige Bearbeitung eingereicht werden dürfen.

Daher ist es nicht verboten, einen Ghostwriter zu engagieren, sondern nur, den Text als den Eigenen auszugeben. Wird er grundlegend angepasst, ist es rechtlich in Ordnung. 

Affären von Politikern

Mit dem Begriff Ghostwriting verbinden viele die Affären von Spitzenpolitikern in den vergangenen Jahren. Tatsächlich ist in diesen Fällen nicht nachgewiesen worden, dass ein Ghostwriter die Arbeit geschrieben hat. Der Vorwurf bestand darin, dass die Arbeiten zu weiten Teilen aus Plagiaten bestanden. Die Übernahme aus wissenschaftlichen Texten ohne Kennzeichnung verstößt gegen das Urheberrecht und gegen wissenschaftliche Grundprinzipien.

Moralische Bewertung 

Mit Blick auf den Wert akademischer Titel und die Chancengleichheit ist es moralisch fragwürdig, einen Ghostwriter einzusetzen.

Auf der anderen Seite haben manche Studierende aufgrund ihrer Lebensumstände weniger Zeit, einen wissenschaftlichen Text zu schreiben und könnten ohne Hilfe ihr Studium nicht abschließen. Ghostwriting ist also nicht per sé verboten und kann Studierenden bei ihrer akademischen Laufbahn helfen. Studieren muss man trotzdem alleine.

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